Haben Sie in den letzten Tage Ihre Lebensversicherung und Ihren Bausparvertrag aufgelöst? Haben Sie Ihr Geld vom Sparkonto abgehoben? Zeit wird´s. Warum? Darauf kann ich Ihnen keine Antwort geben. Was weiß denn ich, welche Gründe Sie haben, so zu handeln. Ich meine, wenn Sie vernünftig gewesen wären, hätten Sie diese Verträge nie abgeschlossen.
Ach Sie haben gar nichts gekündigt. Na, dann ist ja alles im grünen Bereich. Es sei denn, Sie haben Aktien. Dann ist es an der Zeit, die Dinge sofort zu verkaufen. Warum? Weiß ich auch nicht. Ist in diesen Tag ganz groß in Mode. Noch vor einer Woche jubelte die Börse über die neue Höchststände und jetzt lecken sich die Aktionäre ihre Wunden, weil z. B. der Dow Jones-Index um mehr als zehn Prozent gefallen ist. Schuld daran, so ist zu hören, ist das Coronavirus.
Mir scheint, das Virus hat bei einigen Aktionären schon das Hirn erreicht. Wie sonst ist ihr Verhalten zu erklären? Niemand löst seine Lebensversicherung oder Sparverträge auf, weil ein böses Virus die Welt in Atem hält. Doch Aktionäre sind echte Schisser. Große Klappe, wenn die Gewinne sprudeln, aber Mimosen, sobald die Kurse einmal in die andere Richtung ausschlagen. Das ist doch das Wesen der Börse. Sie ist eben keine Einbahnstraße.
Als ich meine ersten im Dow Jones-Index notierten Aktien kaufte, stand dieser Anfang der 1990er-Jahre bei rund 2.600 Punkten. Da ich Aktien als langfristiges Investment sehe, vergleichbar mit einer Lebensversicherung, einem Bausparvertrag oder einer Immobilie, käme ich doch nie auf die Idee, mich von diesem Investment zu trennen, wenn die Welt mal wieder Achterbahn fährt. Mit dieser Haltung bin ich immer sehr gut gefahren. Im anderen Fall hätte ich die Aktien 1994 verkaufen müssen, wegen der Lungenpest. 2000 war es der Rinderwahn (BSE), gefolgt in 2003 vom SARS-Virus. 2006 war es dann die Vogelgrippe gefolgt von der Schweinegrippe in 2009. Es folgten Cholera (2011), Ebola (2014), Zika (2016) und Masern (2019). Nun haben wir 2020 und es mit dem blöden Coronavirus zu tun.
Der Dow Jones-Index steht gerade bei 25.000 Punkten. Hätte ich zu allen „Virenzeiten“ meine Aktien verkauft, ich könnte mich jetzt nicht über einen Wertzuwachs von rund 900 Prozent in 30 Jahren „freuen“. Wohlgemerkt: Weil ich mich nicht um den Verstand habe bringen lassen. Was ich jetzt tue? Dasselbe wie ein Autofahrer, der an die Tanke fährt, wenn der Sprit um 20 % gefallen ist: volltanken. Ich warte noch ein paar Tage und dann „tanke“ ich neue Qualitätsaktien nach. Die kann ich jetzt für mindestens 20 Prozent günstiger kaufen. Anderer Menschen Dummheit ist meine Chance.
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